FREITAGSPREDIGT: Lehren aus dem Ramadan

 

Meine verehrten Geschwister!

 

Im rezitierten edlen Vers sagt Allah, der Erhabene: “Und diene deinem Herrn, bis die Gewissheit zu dir kommt.“1 Im zitierten Hadis sagte unser Prophet (s): „Wisset, dass die beste der Taten bei Allah diejenige ist, die fortdauernd ist auch wenn es wenig sein mag.“2

 

Heute treffen wir uns erneut an diesem gesegneten Ort der Moschee um ein weiteres Fest zu begehen. Gesegnet sei ihr Ramadanfest, gesegnet sei ihr Freitag. Möge Allah, der Erhabene uns allen ermöglichen, dass wir das wahre Fest für die Muslime erleben können indem wir in das Paradies eintreten und die Schönheit Allahs erleben.

 

Meine Geschwister,

 

Wir haben eins der größten Geschenke Allahs, des Erhabenen,- den Ramadan – hinter uns gebracht und vollendet. Einen Monat lang haben wir das wohlerfüllte und segensreiche Frühstück zur Dämmerungszeit (Sahur) und das Fastenbrechen, die unsere Herzen erfüllen und erfreuen, erlebt. Jeden Abend sind wir zu den Tarawihgebeten geeilt, die unsere Herzen erleichtert haben. Während des ganzen Ramadan haben wir mit dem erhabenen Allah gesprochen, indem wir den ganzen Koran stückweise rezitiert haben und unser Bewusstsein schärften.

 

So wie wir mit unseren Sadaqatu`l-Fitr und Pflichtabgaben der Zakat unser Einkommen geläutert haben, konnten wir auch unseren Verstand, unser Herz und unsere Zunge von allem Bösen läutern.

 

Geehrte Gläubige!

 

Im Monat Ramadan haben wir eine Erziehung der Willenskraft genossen. Dieser gesegnete Monat bot uns Gelegenheiten um unseren schlechten Gewohnheiten zu entkommen und unseren Charakter zu verschönern. Dank dieses Monats konnten wir mit unserem Verstand, der sich aufgrund von weltlichen Tätigkeiten eingetrübt hatte, wieder zur Ruhe kommen. Unser Ego, das durch die Verfolgung von verschiedenen Begierden ermüdete, konnte sich erneut abregen.

 

Der Ramadan wurde zu einem Schutzschild für uns alle. Wir haben unsere innere Welt gegenüber Schändlichkeiten und Schamlosigkeiten, Kränkung des Herzens, Sünde und Rebellion verschlossen. Wir haben nicht nur mit unserem Magen gefastet, sondern gleichzeitig auch ein Fasten mit unseren Händen, Zungen und Augen eingehalten. Das Fastenbrechen unserer Zunge sind unsere herzerfreuenden Worte. Das Fastenbrechen unseres Herzens sind unsere die schönen Empfindungen und unsere positiven Gedanken füreinander.

 

Meine Geschwister!

 

Dieser Monat wandelte sich zu einem Monat der Erziehung für Geduld, Dankbarkeit und Lob. Mit dem Fasten an langen Tagen haben wir die Geduld gelernt. Dadurch, dass wir diese Erfahrung am eigenen Leibe machten konnten, konnten wir uns in die Situation derjenigen notdürftigen und mittellosen Menschen in der Welt hineinversetzen, die auf eine Scheibe Brot angewiesen sind und haben dadurch gelernt, dass wir für die uns geschenkten Gaben zu danken haben. Außerdem haben wir reflektiert, dass es Millionen von Meschen auf der Welt gibt, die unsere Hilfe brauchen.

 

Wir haben gelernt, dass sich das Glück durch Teilen vermehrt. Wir haben beim Fastenbrechen das großartige Wohlbefinden der Einheit und Eintracht, sowie die Freude des Zusammkommens mit Geschwistern erlebt, die wir keineswegs kannten. Die Bedeutung des Verses: “Ihr werdet niemals die Güte erlangen bevor ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt”, haben wir besser begriffen. Wir haben versucht uns für das Jenseit vorzubereiten, indem wir uns an die Empfehlung unseres gesegneten Gesandten gehalten haben.

 

Meine geehrten Geschwister,

 

Der Monat Ramadan hat uns die Nacht der Bestimmung (Laylatu’l-Qadr) beschert, die besser als tausend Monate ist. Wir haben gelernt, dass unsere Gottesdienste und unsere Wohltaten entsprechend unserer Aufrichtigkeit vielfach belohnt werden. Nach all diesen schönen Dingen lässt  Allah, der Erhabene, uns das Ramadanfest erleben, an dem wir unsere Freude und unser Wohlbehagen miteinander teilen.

 

Kommen sie meine verehrten Geschwister!

 

Lassen sie uns die schönen Dinge, die uns der Ramadan hinterlassen hat, aufrechterhalten. Lassen sie uns unser ganzes Leben zum Ramadan machen. Lassen sie uns ein ganzes Leben lang ein Fasten einhalten und auf verbotene Dinge und auf nicht legale Wünsche verzichten, auf dass unser Jenseits auch festlich sein möge. Möge der Ramadan, den wir elf Monate lang sehnlichst erwarten, auch uns ersehnen. Möge dieser segensreiche Gast mit seiner ganzen freigiebigen Großzügigkeit schnellstmöglich wiederkommen, an unserer Tür klopfen und unsere Herzen umschließen…

 

 

 

Ahmet Rifat Sağlam
Religionsbeauftragter, DITIB Kelsterbach Moschee

 

 

 

1 Hicr, 15/99                                                                       
2 Müslim, Sıfatu’ul Münafikin, 78          
3 Al-i İmran, 3/92
4 Buhari, Edep, 34; Zekat, 10

Quelle: www.ditib.de

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